Mittwoch, 16. April 2014

Griechenland *** Was denn jetzt: Überschuss oder neue Schulden?




Griechenland *** 
Was denn jetzt: Überschuss oder neue Schulden?

von  am 14. April 2014 in Allgemein
Kaum ist die Bundeskanzlerin aus Griechenland abgereist und die Lobeshymnen des guten Weges und des griechischen Primärüberschusses im Staatshaushalt verklungen, kehrt ein Montag ein und damit das harte Leben in der Realität.

Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete heute, in seiner Verpflichtung im Rahmen des europäischen Haushaltsüberwachungsverfahrens, die Daten zum Defizit und zur Verschuldung des Staates an die Europäische Kommission und damit an Eurostat.

Und hallo, welche Überraschung, in diesem Dokument ist plötzlich von einem Primärüberschuss nichts mehr zu sehen. Sondern nur von einem Primärdefizit in Höhe von -15,887 Mrd. Euro und mit den geleisteten Zinsen ein Defizit in Höhe von -23,109 Mrd. Euro!

Und jetzt festhalten, das Defizit betrug 2013 -12,7% des nominalen BIPs, das höchste Defizit im Verhältnis zum BIP seit 2009. Ja, ja Fortschritte, aber zum Glück bekommt das Frau Merkel nicht mehr mit, denn die ist ja abgereist, im festen und unerschütterlichen Glauben an die Fortschritte :)
Was meinte die Bundeskanzlerin am Freitag so schön auf der Pressekonferenz in Athen: “Die Diskussion um das weitere Vorgehen in Bezug auf Griechenland wird natürlich nicht allein aufgrund des Zeitablaufs oder Ähnlichem für erledigt betrachtet werden können, sondern wir werden, wie ich schon gesagt habe, am 23. April die Eurostat-Zahlen bekommen.

Dann wird man wissen, wie der Primärüberschuss auch aus europäischer Sicht aussieht. Dann werden am 5. Mai die Finanzminister zusammenkommen, und sie werden schauen: Was hat Griechenland erfüllt ich glaube,das sieht sehr gut aus, und wie geht es weiter?”

Quelle: Bundeskanzlerin.de/Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras am 11. April 2014
Zu den Daten, Querschuesse hat schon seit Monaten darauf hingewiesen, dass im ausgewiesenen Primärüberschuss der Zentralregierung in Athen nicht die Rekapitalisierungen der Banken enthalten waren, weiterhin nicht die offenen Rechnungen des Staates und auch nicht die zurückgehaltenen Steuerrückerstattungen.

Zumindest bei den Summen für die Rekapitalisierungen der Banken zieht sich nur die griechische Regierung und die Troika darauf zurück, die Rekapitalisierung der Banken im Primärsaldo nicht zu berücksichtigen.
ELSTAT und damit dann auch Eurostat weisen dagegen den Primärsaldo in dieser Hinsicht aus, mit den -19,272 Mrd. Euro für die Bankenrettungen, die das griechische Defizit 2013 erhöhten.
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Das Defizit des General Governments in Höhe von -23,109 Mrd. Euro 2013, was -12,7%des nominalen BIPs entsprach und der Bruttoschuldenstand von 318,703 Mrd. Euro,
was 175,1% des nominalen BIPs entsprach!

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Das offizielle Primärdefizit mit -15,887 Mrd. Euro 2013

Was für ein Kasperletheater um den angeblichen Primärüberschuss und den damit
verbundenen vermeintlichen Fortschritten.
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Die Entwicklung des Finanzierungssaldo des griechischen Gesamtstaates in Prozent
zum nominalen BIP seit 1995 bis 2013 im Chart. 2013 dokumentieren sich ein
Defizit von -12,7% des nominalen BIPs, dass höchste Defizit seit 2009 und das
zweithöchste Defizit seit 1995!

1aDie Entwicklung der griechischen Bruttostaatsschulden in Prozent des nominalen BIPs seit 1953 bis 2013 im Chart. 2013 betrugen die Bruttostaatsschulden 175,1% des nominalen BIPs, nach 157,2% im Vorjahr. Im Jahr 2013 standen 318,703 Mrd. Euro Bruttostaatsschulden nur 182,054 Mrd. Euro an nominalen BIP entgegen.
Wo für wollte sich eigentlich Mark Schieritz, von der Zeit (Herdentrieb), bei der Bundeskanzlerin entschuldigen?  *=)) vor Lachen auf dem Boden rollend
Zeit.de/merkel-sparpolitik-entschuldigung
Übrigens, bis dato, 17:00 Uhr, sucht man in den Medien vergeblich einen Artikel zu den aktuellen Defizitdaten, dabei ist die Pressemitteilung von heute Vormittag. Aber was nicht passt wird ausgeblendet bzw. was nicht den Weg über die Nachrichtenagenturen findet, wird schlicht nicht kopiert, so einfach funktioniert die marktkonforme Mediendemokratie!
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de